Babette Michel

Afrikanistin Radiojournalistin

 

WDR 3 open: Soundworld 4.12.01 (49. KW)
Redaktion: Dr. Werner Fuhr / Autorin: Babette Michel

Wie klingt Weltmusik?
Von Babette Michel

„Worldmusic? Was für ein Begriff! Alle Musik kommt doch von dieser Welt“, sagt die südafrikanische Diva Miriam Makeba. Manche halten das Wort für so umfassend, dass es ihnen schon wieder sinnlos vorkommt.
Dennoch: es gibt diese Etikettierung. Seit 1987. Einige kleine Londoner Plattenfirmen hatten ihn sich ausgedacht, um ausgezeichneten Veröffentlichungen aus Afrika, Lateinamerika und Asien einen gebührenden Platz in den Verkaufsregalen zu erobern. Baka-Pygmäen-Gesänge stehen nun neben ostafrikanischem Singer/Songwriter, balinesisches Gamelan-Orchester neben klassisch indischem Rag. Weltmusik - eine inzwischen erfolgreiche Verkaufsstrategie.

Dass Weltmusik auch, aber nicht nur afrikanische Trommelmusik oder kubanische Tanzmusik der 60er Jahre bedeutet, weiß jedoch nicht jeder. Folglich, so meint der senegalesische Superstar Baaba Maal, ist Weltmusik eher ein Ghetto! Impliziert der Begriff nicht eigentlich die Einordnung nach Hautfarbe? Warum der Blick auf die Herkunft, statt auf den Inhalt? Ist dies nicht nur ein nahezu neokolonialistischer Weg, die hüftenschwingende westliche Mittelschicht mit exotischen Rhythmen zu versorgen?
Im Wandel der Zeit hat sich das Wort auch mit anderen Inhalten gefüllt. Für die Dissidenten, die „Godfathers of worldbeat“ aus Deutschland, umfaßt Weltmusik alles, was Dialog bedeutet. Für die 17 Hippies aus Berlin, die alles spielen, „was Spaß macht“, gibt es keine Grenze zwischen Welt-, Pop-, Tanz- und Volksmusik. Ob Klassik oder Rumba, alles kommt aus der selben Wurzel, sagt der Pianist Omar Sosa: „It’s only music.“